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Weltmeisterschaft 1990


Das Bild des Siegs der Weltmeisterschaft 1990Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien stand die deutsche Elf zum dritten Male hintereinander im WM-Finale, was zuvor noch keinem Land gelungen war. Für die WM hatte sich die Mannschaft allerdings erstmals nur als Gruppenzweiter qualifiziert.

Nachdem sie zweimal gegen Europameister Niederlande remis gespielt hatte und auch beim torlosen Remis in Wales einen Punkt abgab, benötigte sie im letzten Spiel gegen Wales einen Sieg.

Dabei geriet sie aber zunächst in Rückstand. Rudi Völler konnte in seinem 60. Länderspiel zunächst ausgleichen und Thomas Häßler mit seinem ersten Länderspieltor den notwendigen Siegtreffer erzielen um als einer der beiden besten Gruppenzweiten der Vierergruppen nach Italien zu fahren.

In die Vorrunde war die deutsche Mannschaft mit einem unerwartet klaren 4:1 gegen Jugoslawien gestartet, wobei insbesondere Lothar Matthäus und die anderen Italien-Legionäre in der deutschen Elf beeindruckten, die im Mailänder Stadion quasi ein Heimspiel hatten. In einem Spiel „mit Blitz und Donner“ wurden anschließend die Vereinigten Arabischen Emirate mit 5:1 besiegt, so dass gegen Kolumbien ein 1:1-Unentschieden zum Gruppensieg reichte.

Im Achtelfinale kam es zum Aufeinandertreffen mit dem alten Rivalen Niederlande, gegen den man zuvor bei der Europameisterschaft im eigenen Land das Halbfinale verloren hatte. Die Niederländer hatten sich mit drei Unentschieden mehr schlecht als recht in die K.-o.-Runde gequält, wobei das Los entschied, dass sie im Achtelfinale auf Deutschland trafen.

Nach einer unklaren und bis heute umstrittenen Aktion im Strafraum der Niederländer erhielten Frank Rijkaard und Rudi Völler die Rote Karte. Diese Hinausstellungen schwächten aber eher die niederländische Mannschaft, da damit die Achse Rijkaard–Gullit–van Basten, das wesentliche Element des Oranjeteams, nicht mehr existierte.

Zudem zeigte Jürgen Klinsmann nach Verlust seines Sturmpartners Völler seine wohl beste Leistung in der deutschen Nationalmannschaft – in der 50. Minute gelang ihm das 1:0. Nachdem Andreas Brehme in der 84. Minute auch noch auf 2:0 erhöhte, schien der Einzug ins Viertelfinale perfekt zu sein.Ein umstrittener Elfmeter in der 88. Minute brachte das Oranjeteam noch einmal auf 1:2 heran, aber die deutsche Mannschaft konnte die Führung letztlich erfolgreich über die Zeit bringen.

Im Viertelfinale traf Deutschland auf die Tschechoslowakei, gegen die bei einer WM zuvor nie gewonnen wurde und die nach Siegen gegen die USA und Österreich bei einer Niederlage gegen Gastgeber Italien das Achtelfinale erreicht hatte und dort Costa Rica mit 4:1 ausgeschaltet hatte. Mit Tomáš Skuhravý stellte sie zu dem Zeitpunkt den besten Torschützen des Turniers (5 Tore).

Das Halbfinale wurde durch ein wenig spektakuläres 1:0 erreicht, bei dem Franz Beckenbauer mit der Leistung seiner Mannschaft nicht zufrieden war, die in den letzten 20 Minuten sogar mit einem Spieler mehr auf dem Platz stand, diese Überzahl aber nicht für weitere Tore nutzen konnte und sich in Einzelaktionen verzettelte.Für die Tschechoslowakei war es das letzte WM-Spiel, da sich zum Jahreswechsel 1992/93 die Tschechische Republik und die Slowakei trennten und in der Folge mit eigenen Mannschaften antraten.

Nach fünf Spielen in Mailand ging es zum Halbfinale nach Turin, wo es zum Krimi gegen England kam. Die Engländer hatten sich in ihrer Gruppe durch Remis gegen Irland und die Niederlande sowie ein 1:0 gegen Ägypten den Gruppensieg geholt, im Achtelfinale Belgien mit 1:0 nach Verlängerung ausgeschaltet und in einem dramatischen Spiel gegen Kamerun, die bis dahin beste afrikanische Mannschaft bei einer WM, erst in der Verlängerung mit 3:2 durchgesetzt.

Sie brannten auf die Revanche für die Viertelfinalniederlage bei der WM 1970. Für Deutschland war es das 67. WM-Spiel, damit überholten sie die Brasilianer, die im Achtelfinale ausgeschieden waren und die führende Position erst acht Jahre später wieder übernehmen konnten.

In einem ausgeglichenen Spiel brachte Andreas Brehme die deutsche Mannschaft in der 59. Minute in Führung, da Paul Parker einen Freistoß von Brehme unhaltbar für Torhüter Peter Shilton ins eigene Tor abfälschte. Parker konnte seinen Fehler durch eine weite Vorlage in der 80. Minute auf Gary Lineker aber wieder wettmachen, der eine Uneinigkeit der deutschen Abwehr ausnutzte und den 1:1-Ausgleich erzielte.

Nach einer torlosen Verlängerung musste dann das Elfmeterschießen entscheiden, und wie bei bis dahin allen WM-Elfmeterschießen zuvor hatten auch diesmal die deutschen Spieler die besseren Nerven und verwandelten alle nötigen Elfmeter (Brehme, Matthäus, Riedle, Thon) während auf Seiten der Engländer bei den Spielern Stuart Pearce und Chris Waddle die Nerven versagten.

Erneut hieß der Endspielgegner Argentinien, womit es erstmals zu einer Finalwiederholung kam. Von den Finalisten von 1986 standen auf deutscher Seite noch Thomas Berthold, Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Rudi Völler sowie die 1986 nicht im Finale eingesetzten Reservisten Klaus Augenthaler und Pierre Littbarski in der Startelf, auf argentinischer Seite Jorge Burruchaga, Diego Maradona und Oscar Ruggeri.

Die Argentinier hatten wie 1982 als Titelverteidiger das Eröffnungsspiel verloren und sich mit einem Sieg gegen die Sowjetunion und einem Remis gegen Rumänien als einer der vier besten Gruppendritten ins Achtelfinale gerettet. Dort hatten sie sich durch einen Geniestreich von Maradona mit 1:0 gegen überlegene Brasilianer durchgesetzt und im Viertel- und Halbfinale jeweils durch Elfmeterschießen gewonnen, wobei sich ihr Torhüter Sergio Goycochea als Elfmeter-Töter hervortat.

Mit einem knappen, aber hochverdienten 1:0-Sieg (Andreas Brehme durch Foulelfmeter) war schließlich der dritte WM-Titel perfekt. Franz Beckenbauer ragt in der Geschichte des DFB und der Nationalmannschaft seitdem besonders heraus, weil es dem „Kaiser“ gelang, in zwei Funktionen Weltmeister zu werden: als Kapitän 1974 und als Teamchef 1990.

Es war der erste Finalsieg einer europäischen Mannschaft gegen eine südamerikanische Mannschaft. Bis dahin hatten immer (1958, 1962, 1970, 1978 und 1986) die Südamerikaner gegen den europäischen Finalgegner gewonnen.